Wenn man auf dem Mac mit einem Programm fertig ist, beendet man es in der Regel. Viele Benutzer glauben, dass dieses Verhalten auch auf dem iPhone anwendbar sei, wo man über einen Doppelklick auf den Home Button (bis iPhone 8) oder dem Hochwischen und Anhalten (iPhone X) den sog. App Switcher aktiviert und durch Hochwischen eine App beenden kann. Aber nur, weil man etwas durch führen kann, heißt es nicht, dass man es durch führen soll. Tatsächlich ist das Schließen von iPhone Apps eher kontraproduktiv für die Batterielaufzeit.

In iOS werden laufende Apps anders behandelt als auf dem Mac. Wird eine App auf dem iPhone benutzt, z.B. Safari, greift diese App auf den Prozessor und die Antennen des Gerätes zu und verbraucht damit Strom (= Batterie). Wird jedoch der Home Button gedrückt (bis iPhone 8) oder von unten nach oben gewischt (iPhone X), um auf den Home Bildschirm zu gelangen, bzw. der Seitenknopf zum Abdunkeln des Bildschirms gedrückt, wird die App von iOS in eine Art Ruhemodus versetzt. In diesem Zustand wird weder der Prozessor belastet noch Strom verbraucht; die App bleibt im Hintergrund, ohne aktiv zu sein.

Wird als nächstes z.B. die App Notizen geöffnet, wird diese App aktiv und verbraucht Prozessorleistung, Speicher und Strom. Wird in der App ein Link angetippt, so wird in iOS Safari aktiviert und Notes in den Hintergrund geschickt. Da Safari geöffnet im Hintergrund liegt, ist es für iOS schneller und einfacher, es nun zu aktivieren, als es wieder komplett zu öffnen.

Werden mehr und mehr Apps benutzt, zwischen denen gewechselt wird, beendet iOS Apps selbstständig, um genügend Speicher zur Verfügung zu halten. Für den Benutzer ist nicht sichtbar, zu welchem Zeitpunkt diese Apps beendet wurden. Der Versuch, die Apps manuell zu beenden, um iOS zu unterstützen ist ein Eigentor. Bei einem kompletten Neustart einer App später werden deutlich mehr Ressourcen verbraucht. Die angezeigten Apps im App Switcher zeigen die zuletzt verwendetet Apps, nicht die aktiven Apps.

In 98% der Fälle bringt es keinen Vorteil, wenn man eine App beendet, sondern eher einen höheren Batterieverbrauch und einen Geschwindigkeitsverlust.

Es gibt aber zwei gute Gründe, eine App zu beenden: Eine nicht mehr oder falsch reagierende App neu zu starten und die Apps zu schließen, die im Hintergrund aktiv bleiben und unnötig Batterie verbrauchen.

Obwohl es eher ungewöhnlich ist, dass iOS Apps einfrieren oder sich seltsam verhalten, kann es dennoch vorkommen. Wenn also eine App nicht mehr reagiert oder sich ungewöhnlich verhält, sollte sie beendet werden. Normalerweise löst dies das Problem; falls nicht, muss evtl. eine Update geladen oder die App sogar gelöscht und neu aus dem App Store installiert werden.

iOS erlaubt einigen Apps im Hintergrund aktiv zu bleiben, anstatt in den Ruhemodus zu gehen. Wird z.B. Maps zur Navigation genutzt, sollen die Ortungsdaten weiterhin aktualisiert und die Navigationshinweise durch gegeben werden, auch wenn im Vordergrund eine andere App genutzt wird, um z.B. Podcast zu hören. Auch wird anderen Apps, wie z.B. Skype, erlaubt auf eingehende Anrufe im Hintergrund zu reagieren. So könnte man nach der Ankunft am Zielort Maps beenden, um die Ortung zu unterbrechen – und ein verpasster Anruf nicht so wichtig ist wie die Batterielaufzeit, dann kann Skype beendet werden.

Dies sind aber wirklich nur Ausnahmen der Regel. In den allermeisten Fällen ist das Beenden einer App eine Verschwendung von Zeit und Batterielaufzeit.